Museumsfest

Kochen, reiben, wringen, recken:

„Waschtag anno dazumal“

Museumsfest am Sonntag mit Waschbrett, Zuber und Kornbau-Führungen

Weikersheim „Mensch, was haben wir‘s doch gut!“ Dieser dankbare Stoßseufzer war bei der Vorbereitung des Museumsfests am kommenden Sonntag, dem 8. September, immer wieder zu hören.
Besonders den drei „Waschfrauen“, die den Festbesuchern am Nachmittag mit kleinen Vorführungen vorm Tauberländer Dorfmuseum einen Einblick in die „Waschküche“ alter Tage geben wollen, sind einfach nur glücklich, sich bei kleiner und großer Wäsche auf Helfer wie Waschpulver und Waschmaschine verlassen zu können.
 
„Das war früher eine Wahnsinnsarbeit“, berichtet Birgit Bulenda, Vorsitzende des Vereins Tauberfränkische Volkskultur. Bütten, Zuber, Waschbrett, Stampfer und in der Dorfmuseums-Stube die Holzstäbe überm Ofen künden noch von der mehrtägigen Schweißarbeit, die Hausfrauen früher zu bewältigen hatten, um die Großfamilienwäsche zu reinigen. Doch die Utensilien allein genügen kaum, um sich vorzustellen, wie da geschuftet werden musste. 
„Dann zeigen wir‘s halt,“ beschloss der Vorstand – ohne wirklich zu ahnen, was da auf einen zukommen könnte. Körbe, Gelden, Ofen,  Feuerholz: gut, so etwas findet sich im Fundus, auch hinreichend alte Wäschestücke zu Demonstrationszwecken. Doch schon beim Leinen-spannen stieß man schnell auf Hindernisse. Quer über den Marktplatz geht schließlich nicht, wenn da gefeiert und bewirtet werden soll. Die Gäste würden sich schön bedanken, wenn Seifenwasser auf Grünkernbrot und Blootz tropfen oder in Bierglas oder Kaffeetasse landen würde. Und für die Bleiche, ohne die möglichst weiße Wäsche kaum zu bekommen war, fehlt auf dem Marktplatz schlicht die Wiese.
So ist‘s ein „abgespeckter“ Waschtag, den die drei zu „Waschweibern“ erkorenen Vorstandsmitglieder präsentieren werden – immerhin vom Einweichen übers Wäsche kochen und klarspülen bis hin zum Recken und vorfalten. „Wir haben‘s ja auch so nicht mehr gelernt“, sagt Barbara Hofmann. „Bei uns im Keller war zwar noch die Zinkwanne im Einsatz, aber es gab schon die Waschmaschine. Die Lauge wurde aufgefangen fürs Vorweichen besonders harter Fälle,“ erzählt Inge Braune. Und Barbara Deeg hat bis zur Heirat noch mit dem Waschbrett hantiert. 
 
Hart war‘s, saumäßig hart, was die Mütter, erst recht die Großmütter leisten mussten. Sie fingen nicht umsonst schon am Sonntag Abend mit dem Einweichen in auf dem Ofen warm gehaltener Lauge an. Und weil die Familien – auf Höfen auch das Gesinde – auch am Waschtag essen wollten, führte am Vorkochen kein Weg vorbei. Auch dann galt‘s noch, im Sauseschritt den Tag zwischen Küche und Kessel zu teilen – und spätestens am Montag Abend waren zwar die Fingernägel blütenweiß, aber die welligen Waschfrauenhände ließen schon ahnen, dass die Finger am nächsten Tag wie Feuer brennen würden. Und dann folgte das Plätten, manchmal noch mit dem mit glühenden Kohlen  beheizten Bügeleisen. Und das Flicken. Gute alte Zeit? Die drei sind sich einig: „Tauschen wollen wir nicht!“ 
Das gilt nicht nur für Waschtage, sondern auch für den „Wohnkomfort“, der in der „guten alten Zeit“ üblich war. Man lebte beengt, fror in harten Wintern selbst in der Küche, die oft der einzige warme Raum war, erbärmlich, und Licht bis in die Puppen gab es natürlich auch nicht. Wenn Helmut Fehler um 14 Uhr und um 15.30 Uhr durchs den alten Kornbau führt und architektonische Besonderheiten wie die aus dem 16. Jahrhundert original erhaltene Dachkonstruktion erläutert, ist natürlich auch der Blick in Stuben und Wirtschaftsräume vergangener Tage möglich.  
 
Bereits ab 11.30 Uhr sind Fans alter Zeiten und Leckermäuler auf dem Marktplatz an der richtigen Adresse. Beim Museumsflohmarkt – der Verein hat die Depots durchstöbert – sind Raritäten zu entdecken, an den Ständen gibt‘s Kuchen, Blootz, Schneeballen und Grünkernbrot, frisch zubereitete Tauberspatzen, Maultaschen, Tauberländer Würste. Getränke  werden auch nicht fehlen. 
 
Mit Sang und Klang begrüßt um 13.30 Uhr der Landfrauenchor die Besucher und Weikersheims Bürgermeister Klaus Kornberger, der  das Nachmittagsprogramm  mit Führungen, Waschtag-Präsentationen und Aktionen für die jüngsten Besucher eröffnet. 
 
Bilder(©TFVK/Birgit Bulenda):
Der Verein Tauberfränkische Volkskultur lädt für Sonntag, den 8. September ab 11.30 Uhr bis 17 Uhr zum 2. Museumsfest im Dorfmuseum und drumherum. Unter die Lupe genommen wird der Kornbau aus dem 16. Jahrhundert und der „Waschtag anno dazumal“. Die Aufnahme zeigt die „Waschfrauen“ Barbara Hofmann, Inge Braune und Barbara Deeg, die sich mit alten Gerätschaften ans seifige Werk machen werden. 
 

Infobox

Samstag, 08. September 2019 ab 11:30 Uhr

Das 2. Museumsfest des Vereins Tauberfränkische Volkskultur, der ehrenamtlich das Tauberländer Dorfmuseum im Kornbau am Weikersheimer Marktplatz betreut, beginnt um 11.30 Uhr. Landfrauenchor, Museumsflohmarkt, Aktionen mit Kindern, Vorführungen zum „Waschtag anno dazumal“ und Spezialführungen im Rahmen des „Tages des offenen Denkmals“ (Helmut Fehler) sorgen für einen abwechslungsreichen Dorfmuseums-Nachmittag, für den Bürgermeister Klaus Kornberger um 13.30 Uhr mit einem Grußwort das Startsignal gibt.