2018: Stumme Zeugen

Relikte Hohenlohe Herrschaft 

 
Weikersheim. Die diesjährige Exkursion des Vereins Tauberfränkische Volkskultur führte quasi vor die Haustüre: Reinsbronn, Aub und Reichardsroth waren die Ziele der Weikersheimer Reisegruppe. Eine umfangreiche Führung durch das sanierte und in Privatbesitz befindliche  Geyer-Schlösschen gab eine Vorstellung, wie die regionalen Amtsherren, welche die Abgaben und Steuern einzunehmen und die niedere Gerichtsbarkeit auszuüben hatten, in der Renaissance residierten. Nach wechselvoller Geschichte, in der die Herren von Baldersheim und Giebelstadt eine wichtige Rolle spielten, erstrahlt es heute wieder in hellem Glanz. Kunstvolle, heraldisch  gestaltete Epitaphen erinnern an die Epoche nach dem Bauernkrieg. Die Besitzer des Schlosses öffneten den Interessierten neben vielen Kammern auch die „Präsentier-Stube“ des Gebäudes, ein Raum mit einer original bemalten, sehenswerten Holzdecke aus dem 16. Jahrhundert. Die Baugeschichte des Gebäudes lässt darauf schließen, dass an dieser Stelle vorher eine Wasserburg stand, welche 1268 in einer Urkunde erstmalig erwähnt wird. Es darf angenommen werden, dass  die Herren von Hohenlohe, welche damals eine wichtige Rolle innehatten genauso am Erstehen dieser Burg wie am nächsten Ziel, der staufischen Reste des Johanniter-Hospitals in Reichardsroth sowie am Hospital in Aub beteiligt waren. Die beiden letzteren Hospitale lagen an einer wichtigen Handelsstraße und an einem bedeutenden Pilgerweg, gaben Herberge für Pilger, boten Hilfe für Kranke und waren Heimstatt für Sieche und Sterbende. Reichardsroth, bereits 1182 von Kaiser Friedrich I und Albert von Hohenlohe gegründet, ist mit seinen Doppeltürmen ein Kleinod staufischer Baukunst, das in seiner kaum mehr erschließbaren Symbolik immer noch erstaunen lässt. Die Größe des gesamten Hospitals mit Kirche und all den Wirtschaftsgebäuden kann heute jedoch nur noch erahnt werden.

Das Pfründner-Hospital in Aub – 1355 gegründet und seit 2004 Museum – zeigt dagegen wie solche Einrichtungen strukturiert waren und nach welchen Regeln sie geführt wurden. Die Pest um 1350 war wohl der Auslöser für den Bau des Hospitals, das als Stiftung bis in das 20. Jh. existierte und wechselvolle Zeiten mit der Reformation und der später einsetzenden Gegenreformation erlebte. Die Räume und Exponate aus mehreren Jahrhunderten gaben den Besuchern die Gelegenheit, Möglichkeiten und Grenzen der insgesamt  dürftigen medizinischen und pflegerischen Versorgung der gesamten Bevölkerung über einen langen Zeitraum zu erkennen.

Die von Helmut Fehler organisierte Halb-Tagesreise klang vor Ort mit einer Vesper und regem Erfahrungsaustausch aus.

TVK

Nähere Informationen zum Geyer-Schloss:
www.geyer-schloss.com