Ausstellung Feste und Bräuche

„Alle Jahre wieder ….  Feste und Bräuche in Unterfranken“

Informative Sonderausstellung zu regionalem Brauchtum eröffnet

Klaus Kornberger: „Ausstellung spiegelt, was Heimat ist“ 

Weikersheim:  Zumindest schon mal „neuen Schwung“ ins Vereinsleben gebracht habe Birgit Bulenda, die jüngst zur ersten Vorsitzenden des Vereins Tauberfränkische Volkskultur gewählt, lobte Weikersheims Bürgermeister Klaus Kornberger. Dass sich trotz der immensen Hitze gut 30 Gäste zur Ausstellungseröffnung einfanden, bewertet Kornberger als positives Signal. Und diese Ausstellung – der Bürgermeister hatte natürlich schon vor der offiziellen Eröffnung einen Blick in die vom Regierungsbezirk Unterfranken gestaltete Wanderausstellung und die lokalen Ergänzungen geworfen – spiegele nun wirklich, was Heimat sei. Viele interessierte Besucher verdiene diese Ausstellung, in der Amüsantes, Fröhliches und auch Ernstes zu entdecken ist – und viel Lokales, denn allen voran ergänzten Helmut Fehler und Renate Gröner die unterfränkische Brauchtums-Ausstellung mit viel Elan um originär Weikersheimer Brauchtumsexponate.

    Kornberger, selbst Unterfranke, freut sich über das wieder wachsende Interesse am Brauchtum: Schließlich habe Weikersheim hier etwa mit dem Maisingen oder insbesondere mit der Kärwe, die seit sechs Jahrhunderten gefeiert und gepflegt wird, viel zu bieten.

    Mit munteren Akkordeon-Klängen hatten Simonetta Schmalz und Felix Dinkel die Gäste empfangen. Tamara Krüger unterrichtet die beiden Niederstettener Nachwuchsmusiker an der Musikschule Hohenlohe. Mit den „ICE-Swing“, „Tirol, Tirol“, dem „Kutscher“-Lied und einem Thema aus „Fluch der Karibik“ hatte sich schwungvolle Weisen ausgewählt, die perfekt zum Museum und der Sonderausstellung passten.

    Charmant erläuterte Birgit Bulenda, die neben Bürgermeister Klaus Kornberger weitere Gemeinderäte, die Weikersheimer Kreistagsabgeordnete Margret Beck sowie die Vorstände etlicher Vereine begrüßen konnte, die Ausstellungsherausforderung für den Verein: „Besucher kommen ins Museum vor allem dann, wenn’s etwas Besonderes gibt. Das aber muss von uns Amateuren zu bewältigen sein, zum Museum passen – und soll auch noch möglichst wenig kosten.“ Nur zu gern greife man Ideen auf – hier etwa die des bayerischen Nachbarbezirks Unterfranken. Helmut Fehler und Renate Gröner machten sich erfolgreich auf die Suche nach Brauchtumsergänzungen aus Weikersheim: Natürlich gehören die Schneeballen hierher, ganz selbstverständlich die Kärwe, die mit ihrer rund 600-jährigen Geschichte wohl mit zu den ältesten bis heute gepflegten Regionaltraditionen gehört. Liebevoll arrangierten Renate Gröner und Helmut Fehler Bilder, Exponate und erläuternde Texte in der „Stube“ im ersten Obergeschoss und im hinteren Bereich der Museumsetage.

    Offiziell firmiert die Sonderausstellung zu Festen und Bräuchen in Unterfranken unterm Titel „Alle Jahre wieder“. Ebensogut aber könne man sie auch mit „Jedem Nest sein Fest“ überschreiben, so Helmut Fehler in seiner Einführung in die Ausstellungsthematik. Das „bunte Mosaik fränkischer Kultur und fränkischer Vielfalt“ setzt sich auch im Hohenlohisch-Fränkischen Bereich fort: Unter anderem ist es die Flickenteppich-Geschichte kleiner und kleinster Herrschaften, die Dialekt-, Tracht- und Brauchtumsvielfalt förderte. „Allein für den Nikolaus gibt es fast ein Dutzend Wörter“, führte Fehler exemplarisch aus. Auch Religion – genauer: die konfessionellen Unterschiede – hinterließen Spuren bis in die Mode: Ganz deutlich unterscheiden sich die Festgewänder der evangelisch geprägten Gebiete von denen in katholisch geprägten Gemeinden, wie die große Trachtensammlung im Dorfmuseum belegt.

    Dennoch: Wer etwa im Tagebuch der Weikersheimer Pfarrerstochter Gertrud Dürr schmökert, entdeckt, dass umgekehrt das Brauchtum durchaus auch das Zeug hat, konfessionelle Schranken zu überwinden. In ihren Jugenderinnerungen aus der Zeit von 1900 bis 1907 erinnert sie an den Weihnachtsbrauch, die zum Marktplatz weisenden Fenster mit Kerzen zu illuminieren: „Um 8 Uhr abends… stellten alle Leute, die am Marktplatz wohnten, auch die Juden, an jedes Fenster im 1. Stock acht große weiße Kerzen und zündeten sie an, so dass ein großer Lichterring um den Marktplatz lief.“ Vom „Acht-Uhr-Läuten“ berichtet sie, von den Kindern, die am Weihnachtsabend auf der Kirchentreppe sangen, vom den Krankenschwestern, die gemeinsam mit „Stund“-Sängerinnen m Christfestabend Alte und Kranke besuchten und ihnen das Marktplatzsingen in die Stuben brachten.

    Viel ist zu entdecken in der Sonderausstellung, die noch bis in den Herbst während der Öffnungszeiten (Freitags, Samstags sowie an Sonn- und Feiertagen jeweils von 13.30 bis 17 Uhr) und für Gruppen nach Vereinbarung zu besichtigen ist. Kontakt: Verkehrsamt Weikersheim (Tel. 07934-10255) oder Verein Tauberfränkische Volkskultur (Tel. 07934-1209). Infos gibt’s auch auf der Homepage: www.tauberlaender-dorfmuseum.de.

Erschienen in:  Fränkische Nachrichten am 6. Juli 2015;  wir danken für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung!

Fotos:  Inge Braune

 

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Helmut Fehler – links an der Tür – führte interessant in die Thematik der Sonderausstellung ein. Dass das Thema interessiert, bestätigten die Vernissage-Gäste, die sich noch lange auch über eigene Brauchtumserfahrungen unterhielten.

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Simonetta Schmalz und Felix Dinkel von der Musikschule Hohenlohe, beide aus Niederstetten, brachten Schwung in die Ausstellungseröffnung.

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Die Fähnchen kann jeder Weikersheimer sofort zuordnen: „Kärwe!“ In der Kärwe-Ecke werden Erinnerungen wach – und auf den Aufnahmen werden sich sicher etliche Weikersheimer wiedererkennen.