{"id":259,"date":"2024-07-04T15:03:57","date_gmt":"2024-07-04T15:03:57","guid":{"rendered":"https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/?p=259"},"modified":"2024-07-04T15:06:27","modified_gmt":"2024-07-04T15:06:27","slug":"praxiswissen-des-louisgarde-teams-macht-exponate-lebendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/?p=259","title":{"rendered":"Praxiswissen des Louisgarde-Teams macht Exponate lebendig"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Gut zwanzig Interessierte genossen spannenden Abend im Museum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weikersheim<\/strong>. Das Ziel des Tauberl\u00e4nder Dorfmuseums hat schon Gr\u00fcnder Kurt Meider klar definiert: Es will und soll nicht nur nostalgisch Erinnerung an die Vergangenheit lebendig halten, sondern auch das Wissen der Vorfahren in die Gegenwart transportieren.<br>Ein paar schriftliche Notizen gen\u00fcgen da oft nicht. Gerade bei den alten Ger\u00e4tschaften, mit denen noch vor wenigen Generationen die Felder und Weing\u00e4rten bearbeitet wurden, stehen Besucher oft ratlos vor den St\u00fccken, selbst wenn Fotos oder Zeichnungen die Pr\u00e4sentation erg\u00e4nzen. So richtig lebendig werden die Dinge erst, wenn Praktiker den Gebrauch anschaulich erkl\u00e4ren. In der vergangenen Woche hatte das Museumsteam das G\u00e4rtnerpaar Melanie Appel und Lutz Neuendorf vom Hof Louisgarde ins Dorfmuseum eingeladen.<br>In ihrem Demeter-Betrieb setzen sie auf altbew\u00e4hrte Methoden, sind etwa bei der Aussaat oft noch zu Fu\u00df unterwegs, streuen das Saatgut von Hand aus. Warum? Lutz Neundorf, ausgebildeter Zierpflanzeng\u00e4rtner, der sich fr\u00fch auf den biodynamischen Gem\u00fcseanbau spezialisierte, betreut seit rund dreieinhalb Jahrzehnten die Louisgarde-G\u00e4rten. Ihm ist es wichtig, den Boden noch Meter f\u00fcr Meter genau zu kennen.<br>\u201eHeute geht kaum noch ein Fu\u00df \u00fcber den Acker\u201c, berichtet er. Noch bis vor ein paar Jahrzehnten h\u00e4tten die Bauern wenigstens sonntags ihre Felder abgeschritten. Heute s\u00e4hen Landwirte ihre B\u00f6den meist nur noch von oben, oft genug aus klimatisierten F\u00fchrerst\u00e4nden schwerer Zugmaschinen die die B\u00f6den verdichten.<br>Sie sehen nicht mehr, was fr\u00fchere Bauerngenerationen sahen, berichtet Neuendorf. Wer hinterm von Ochsen oder Pferden gezogenen Pflug \u00fcber den Acker ging, sah, h\u00f6rte und roch, was sich im Boden tat. Wenn die eine Pflugschar den Boden umbrach, war f\u00fcr den Landwirt fr\u00fcherer Zeiten unmittelbar klar, was dem Boden fehlen oder was im \u00dcberma\u00df vorhanden sein k\u00f6nnte. Sie brauchten keine Messger\u00e4te, um zu wissen, wie es um Durchfeuchtung, Durchwurzelung, Bodengetier und die Bodenbel\u00fcftung bestellt war: Jeder Schritt, jeder Atemzug, jedes Ger\u00e4usch gab Auskunft.<br>Genau passend zum Boden konnte auf nicht allzu tief umgebrochener Erde die Saat ausgebracht werden. Zu tief zu pfl\u00fcgen, zerst\u00f6re das Kapillargeflecht, \u00fcber das die wachsende Saat neben Wasser auch Nahrung aufnehmen k\u00f6nne.<br>Gut zwanzig G\u00e4ste der Spezialf\u00fchrung umringen den alten Einscharpflug, an dem Museumsbesucher sonst oft ohne zweiten Blick vorbeigehen.<br>Ganz anders sei auch das Erleben der Arbeit, erg\u00e4nzt Melanie Appel. Die Veranstaltungskauffrau wuchs auf einem kleinen Hof bei Ansbach auf. Vor rund einem Jahrzehnt stieg sie in den G\u00e4rtnereibetrieb ein. Nach zwei Stunden Maschinenarbeit sei man \u201edumpf und leer\u201c, nach zwei Stunden Handarbeit vielleicht m\u00fcde, aber nicht ersch\u00f6pft.<br>Sie wollen behutsam mit dem Boden umgehen, der Frucht tr\u00e4gt: \u201eWir verdichten ihn nicht unn\u00f6tig, f\u00f6rdern seine Lebendigkeit,\u201c berichtet die Louisgarde-G\u00e4rtnerin. Die uralte Mausefalle, die den Verein Tauberl\u00e4nder Volkskultur e.V., der das Museum ehrenamtlich betreibt, lange vor R\u00e4tsel stellte, macht neugierig. Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung? F\u00fcr das Demeter-Team geh\u00f6ren \u201eSch\u00e4dlinge\u201c einfach dazu: \u201eWir dringen in ihren Lebensbereich ein \u2013 und wir wissen doch gar nicht, was passiert, wenn wir sie vertreiben\u201c, mahnt Melanie Appel und erinnert an die fatalen Auswirkungen von Maos Massenkampagne der \u201eAusrottung der vier Plagen\u201c.<br>Um den \u201eGro\u00dfen Sprung\u201c zu erm\u00f6glichen, zog China ab 1958 energisch unter anderem gegen Ratten und Spatzen zu Felde. Die Folge der fast kompletten Sperlings-Ausrottung war eine Moskito- und Heuschreckenplage und daraus resultierend eine Hungersnot, die zum Abbruch des Experiments zwang\u2026 Nat\u00fcrlich schmerze es dennoch, wenn wie j\u00fcngst F\u00fcchse die Laufg\u00e4nse holen, die den Schnecken Einhalt gebieten. Aber: \u201eAuch F\u00fcchse haben das Recht zu leben.\u201c<br>F\u00fcr die Demeter-G\u00e4rtnerei ist der Boden das entscheidende Kapital: Alle paar Jahre g\u00f6nnen sie den Beeten und den Bodentieren Erholung unter einer Mischsaat aus Klee, Stickstoff bindender Luzerne und Wildblumen, die nur ganz leicht angewalzt wird. Das fitzelfeine, kaum mehr als sandkorngro\u00dfe Saatgut wandert von Hand zu Hand. Gut nachvollziehbar, dass Maschinen daf\u00fcr zu schwer w\u00e4ren, wie die Demeter-G\u00e4rtner bei der auf einem Rad laufenden alten Saatstreuer erl\u00e4utern.<br>Neben der Direktvermarktung und dem Vertrieb der vielf\u00e4ltigen Erzeugnisse \u00fcber Partnerbetriebe stellt seit dem Fr\u00fchjahr 2021 die \u201esolidarische Landwirtschaft\u201c \u2013 kurz SoLawi \u2013 ein weiteres Standbein des Demeter-Betriebs dar. Aktuell gut 60 Mitglieder finanzieren dabei die g\u00e4rtnerische Arbeit des Betriebs. Mit monatlich 75 Euro leisten die auch \u201eErnteteiler*innen\u201c genannten SoLawi-Mitglieder einen Beitrag zu einer zumindest teilweisen finanziellen Absicherung des Betriebes auch \u00fcber die kargeren Wintermonate. Im Gegenzug erhalten sie \u00fcber Verteilstellen regelm\u00e4\u00dfig Obst und Gem\u00fcse frisch von den Louisgarde-Feldern und aus den ebenfalls auf Bio spezialisierten regionalen Partnerbetriebem. Die Louisgarte-SoLawi-Mitglieder treffen sich mehrmals pro Jahr und helfen auch schon mal bei der Ernte: Erzeuger und Verbraucher r\u00fccken n\u00e4her zusammen. In der laufenden Beerenzeit sind Helfer besonders willkommen \u2013 und an den Wochenenden stehen auch schon mal selbst gebackene Beerenkuchen parat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Infos zur G\u00e4rtnerei, SoLawi, Besuchs- und Mitmach-M\u00f6glichkeiten gibt\u2019s auf der Homepage <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>www.gaertnerei-louisgarde.de<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"750\" src=\"https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Zuhoerer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-262\" srcset=\"https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Zuhoerer.jpg 1000w, https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Zuhoerer-300x225.jpg 300w, https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Zuhoerer-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Museumstreppe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-261\" srcset=\"https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Museumstreppe.jpg 1000w, https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Museumstreppe-300x200.jpg 300w, https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Museumstreppe-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gut zwanzig Interessierte genossen spannenden Abend im Museum Weikersheim. 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