{"id":232,"date":"2024-02-20T18:33:11","date_gmt":"2024-02-20T18:33:11","guid":{"rendered":"https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/?p=232"},"modified":"2024-02-20T18:40:18","modified_gmt":"2024-02-20T18:40:18","slug":"auf-main-und-nebenfluessen-vom-frankenwald-bis-holland-handelsweg-wasser-helmut-fehler-berichtet-ueber-floesserei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tauberlaender-dorfmuseum.de\/?p=232","title":{"rendered":"Auf Main und Nebenfl\u00fcssen \u2013 vom Frankenwald bis Holland \u2013 Handelsweg Wasser: Helmut Fehler berichtet \u00fcber Fl\u00f6sserei"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Weikersheim<\/strong> J\u00fcngst widmete sich der Verein Tauberl\u00e4nder Volkskultur e.V. der Mobilit\u00e4t auf Schienen. Beim Wintervortrag am kommenden Mittwoch geht es um die Mobilit\u00e4t zu Wasser, genauer: um die Fl\u00f6\u00dferei auf dem Main und seinen Zufl\u00fcssen.<br>Holz wurde gebraucht, wo auch immer gebaut wurde: H\u00e4user, Schiffe, Kathedralen \u2013 ohne starke und gut gewachsene St\u00e4mme, wie sie etwa im nordostbayerischen Frankenwald zu finden waren, war nichts zu machen. Ob Stuhl, Tisch, Truhen: Holz musste her. Nat\u00fcrlich auch zum Heizen.<br>Viel schneller als auf festem, jedoch oft unwegsamem Boden, lie\u00df sich die hoch begehrte Ware Holz zu Wasser transportieren. Selbst aus den zerkl\u00fcfteten Bergregionen waren die St\u00e4mme mit Wasserschwung schneller zu Tal zu bringen. Schon fr\u00fch entstanden erste Stauwehre und Stauweiher, um selbst kleine Wasserl\u00e4ufe so anschwellen zu lassen, dass sie die Holzfracht tragen konnten. Je gr\u00f6\u00dfer der Fluss, desto gr\u00f6\u00dfer die Fl\u00f6\u00dfe, die \u00fcber den Main und seine Zul\u00e4ufe bis in die Niederlande gesteuert wurden. Auf 120 bis 130 Meter L\u00e4nge konnten die aus zehn bis 14 Einzelfl\u00f6\u00dfen gebundenen schwimmenden Holzwerke anwachsen. Als \u201eHallst\u00e4dter St\u00fcck\u201c, \u201eW\u00fcrzburger St\u00fcck\u201c oder \u201eHoll\u00e4nder-Flo\u00df\u201c waren sie mit bis zu 60 Mann Besatzung zwei bis drei Wochen unterwegs werden.<br>Am kommenden Mittwoch (21. Februar) berichtet Helmut Fehler im Uhu-Seniorentreff (Hauptstra\u00dfe 30, Beginn 19.30 Uhr) \u00fcber die Arbeits- und Lebenswelt des besonderen Gewerbes, das auch den Familien der Frankenwald-Fl\u00f6\u00dfer einiges abforderte. Waren die Fl\u00f6\u00dfer auf Fahrt, musste die Haus- und Hofarbeit von den Familien geschultert werden.<br>Auch wenn von den St\u00e4dten entlang der Flussl\u00e4ufe nur die Mannschaft mit ihren G\u00fcterzug langen Fl\u00f6\u00dfen wahrgenommen wurde, waren viele Menschen, Gewerke und Organisationen vom Waldbesitzer, Baumf\u00e4ller und R\u00fccker, F\u00f6rster, Teichzieher, Flo\u00dfknechte, Wei\u00dffl\u00f6\u00dfer bis hin zum Flo\u00dfherrn, Holzh\u00e4ndler und Kunden in die Fl\u00f6\u00dferei eingebunden.<br>Helmut Fehler gibt Einblicke in die Lebensbedingungen in den Heimatorten ebenso wie ins Fl\u00f6sserei-Handwerk, streift durch die bis in die Antike zur\u00fcck reichende Geschichte der Fl\u00f6\u00dferei. Er berichtet \u00fcber die Abh\u00e4ngigkeit von Jahreszeiten und Witterung und \u00fcber Waldordnungen, mit denen Landesherren \u00fcberm\u00e4\u00dfige Holzentnahmen zu verhindern suchten.<br>Auch \u00fcber das auf dem Fluss geltende Regelwerk ist manches zu erfahren: Vorfahrt hat der Talfahrer, gut steuerbare und beweglichere Wasserfahrzeuge haben den weniger beweglichen Vorrang geben. Ein Blick in den Werkzeugkasten der Fl\u00f6\u00dfer gef\u00e4llig? Der musste schon gro\u00df sein: allein etwa acht Meter lang war der Flo\u00dfbaum mit seinem eisernen Haken, mit dem man sich um Flusswindungen und durch die ber\u00fcchtigten engen Flo\u00dfgassen in Schweinfurt und W\u00fcrzburg zu hebeln hatte.<br>Kraft und Talent brauchten die Fl\u00f6sser, gutes Reaktionsverm\u00f6gen und eine stabile Gesundheit, um Gefahren zu vermeiden. Doch auch bei gr\u00f6\u00dfter Umsicht: Unf\u00e4lle konnten Fl\u00f6\u00dfer hart treffen. Wo heute Krankenversicherungen und Berufsgenossenschaften einspringen, mussten sich die Fl\u00f6\u00dfer mit ihren Familien selbst \u00fcber Wasser halten, wie auch erhaltene Bittgesuche belegen.<br>Doch nicht nur die Fl\u00f6\u00dfer selbst gerieten in Not: Die Erweiterung des Schienennetzes, Br\u00fcckenbauten, dem f\u00fcr die Dampfschifffahrt erforderlichen Bau von Stauwehren leitete den Niedergang der Holzfl\u00f6\u00dferei ein. Vergebens protestierte die Flo\u00dfholz-H\u00e4ndler in den 1930er Jahren gegen die Mainkanalisierung. Ende der 1960er Jahre war es dann aus mit der kommerziellen Flo\u00dffahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Info:<br>Die Vortragsveranstaltung im Rahmen der Wintervortragsreihe des Vereins Tauberfr\u00e4nkische Volkskultur e.V. findet am Mittwoch, dem 21. Februar im Uhu-Seniorentreff Weikersheim (Hauptstra\u00dfe 30) statt. Helmut Fehler berichtet ab 19.30 \u00fcber \u201eDie Fl\u00f6\u00dferei auf dem Main und seinen Zufl\u00e4ssen \u2013 Arbeits- und Lebenswelt eines besonderen Gewerbes\u201c. Der Eintritt ist frei, die Veranstalter freuen sich \u00fcber eine Spende.<\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weikersheim J\u00fcngst widmete sich der Verein Tauberl\u00e4nder Volkskultur e.V. der Mobilit\u00e4t auf Schienen. 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