In Englands Diensten – Fränkische Soldaten In Amerika

Gut besuchter Vortrag in Weikersheim

Zwischen der Abfahrt in Ochsenfurt in eine ungewisse Zukunft und der freudigen Wiederkehr auf getreidelten Schiffen in Karlshafen an der Weser  lagen mehr als sechseinhalb Jahre militärischen Einsatzes in Amerika. Die zwei Ansbach-Bayreuther Regimenter dienten wie hessische, braunschweigische und hanauische Subsidientruppen der englischen Krone, deren Kolonien im Juli 1776 einseitig die Unabhängigkeit erklärt hatten. Helmut Fehler, Referent des Abends, bot den Zuhörern in einem spannenden Vortrag eine Fülle von Aspekten, die sowohl die Lebenswelt der einfachen Soldaten als auch die der Offiziere einschlossen. Obwohl nur ein kleiner Ausschnitt der militärischen Ereignisse geschildert wurde, gelang es dem Vortragenden durch die Darstellung von Land, Leuten und militärischen Strukturen sowie Landschaft und Mentalitäten ein realistisches Bild jener Jahre von 1777 bis 1783 zu zeichnen. Fehler, selbst ehemaliger Troupier, sparte dabei die Geistesmentalität jener Epoche, die Militärjustiz, die kriegsvölkerrechtlichen Aspekte oder die profanen Probleme der Gefechtshandlungen sowie die immer wieder prekäre Versorgungslage, dazu den rudimentären Stand der Sanitätsversorgung nicht aus. Die zitierten Darstellungen der wenigen Chronisten jener Zeit sorgten für eine Authentizität, die in Verbindung mit den militärischen und politischen Akteuren wie Washington, Lafayette und Steuben eine historische Kulisse bot, welche die Zuhörer in Bann nahm. Der militärische Einsatz endete mit der Kapitulation der Engländer im Sommer 1781 – alle auf Englands Seite kämpfenden Truppen gingen in Kriegsgefangenschaft. Erst nach langen Verhandlungen kam es im Frühjahr 1783  zu einem Friedensvertrag, der dann die endgültige Entlassung und Heimfahrt ermöglichte. Fehler ging dann noch auf die Verluste und ihre Ursachen ein. „Rund ein Drittel der in Ansbach und Bayreuth Ausmarschierten kehrte nicht zurück“ so F. „und von diesem Drittel wiederum ist etwa die Hälfte gefallen oder verstorben“. Von allen deutschen Subsidientruppen, die in wesentlich grösserer Zahl durch Hessen, Braunschweig, Waldeck und Hanau gestellt wurden, dürften annähernd fünftausend als deutsche Neubürger in den USA verblieben sein. Der Vortrag endete mit einer Diskussion, weil bereits Schiller sich in „Kabale und Liebe“ literarisch dem „Soldatenhandel“ gewidmet hatte und auch der Nationalsozialismus die Geschichte in seinem Sinne zu deuten versuchte.

TVK