Vorstandswahl: Erbe bewusster machen

Tauberfränkische Volkskultur e.V.

Johanetta Müller neue Vorsitzende – „Erbe bewußter machen“

Vorstand verjüngen, Expertise erhalten, neue Zielgruppen erschließen

Weikersheim Es war eine durchaus schwere Geburt mit schmerzhaften Vorwehen: Wie alle Vereine musste sich auch der Verein Tauberfränkische Volkskultur e.V., der ehrenamtlich die Verantwortung für das Tauberländer Dorfmuseum am Marktplatz schultert, während der Pandemie gewaltig nach der Decke strecken.

     Sinkende Besucherzahlen trotz Verzichts auf ein Eintrittsfixum, die inzwischen schon mehrjährige vertragslose Kornbaunutzung, die Investitionen ausbremst, dazu durch das Ausscheiden von Schriftführerin Michaela Bauer, Schatzmeisterin Barbara Deeg und – lange angekündigt – der ersten Vorsitzenden Birgit Bulenda. Ernste Personalprobleme: Schlechter hätten die Vorzeichen kaum stehen können. Immer wieder hatte der Verein mögliche Nachfolger oder Nachfolgerinnen fürs Vorstandsamt angesprochen – erfolglos. Erst „kurz vor knapp“ kam dann ein Tipp aus der Riege der Schlossverwaltung: Man solle doch mal bei Johanetta Müller anfragen.

     Etliche Gäste haben die Wahl-Weikersheimerin schon bei Schloss- und Stadtführungen kennengelernt, im Tauberstädtchen hat die Mutter von zwei Kindern mit jungen Familien Freundschaft geschlossen. Nach Museumsvisite,  Schnupperbesuchen bei Vorstandssitzungen und gründlicher Überlegung sagte sie ihre Kandidatur zu – zur großen Erleichterung nicht nur des amtierenden Vorstands, sondern auch der Jahreshauptversammlung, an der fast ein Viertel der aktuell 94 Mitglieder teilnahm.

     Birgit Bulenda, die den Verein seit mittlerweile 35 Jahren begleitete – 28 Jahre als Sekretärin, dann seit sieben Jahren als erste Vorsitzende – blickte kurz auf die Vereinsarbeit der vergangenen beiden Jahre zurück, die trotz des pandemiebedingten Wegfalls einiger Vorträge, Ausflüge, Museumsfeste und Sonderausstellungen mit Depotarbeiten, Gestaltungsfragen und viel „unsichtbarem“ Einsatz dem Vorstandsteam einiges abverlangte. Sie habe die Arbeit immer sehr gern gemacht, betonte sie, und dankte neben dem Vorstandsteam insbesondere Renate Gröner und Hannah Wilckens, auf die insbesondere bei Flohmärkten, Sonderausstellungen und der Pflege des Textilbestands immer Verlass gewesen sei.

     Trotz der Coronaphase erhöhte sich der Kassenbestand des Vereins, insbesondere aus Spenden anlässlich des Todes von Mette Gräter, zu deren Gedenken die Versammlung eine Schweigeminute eingelegt hatte, um knapp 2.900 Euro, wie Schatzmeisterin Barbara Deeg berichtete. Das Kassenprüfer-Duo Maria Frick-Hemer und Klaus Frey bestätigte für beide Geschäftsjahre – im Vorjahr war die Jahreshauptversammlung ausgefallen – die ordnungsgemäße und übersichtliche Buch- und Kassenführung. Auf Klaus Freys Antrag wurde die Vorstandschaft einstimmig entlastet.

     Bürgermeisterstellvertreterin Rosi Spitzley überbrachte Dank und Grüße von Nick Schuppert, informierte kurz über die Arbeit im Gemeinderat und den Gremien und betonte, dass sich die Gesellschaft ihrer Wurzeln bewusst sein müsse. Daher sei es wichtig, verstärkt Schulkassen das im Dorfmuseum präsentierte Erbe zu vermitteln – eine Aufgabe, an der sich der Verein seit langem vergeblich abarbeitet. Spitzley sagte hier und auch beim Problem der Vertragslosigkeit ihre Unterstützung zu.

Unter ihrer Leitung erfolgte die Wahl von Vorstand, Beisitzern und Kassenprüfern offen mit Handzeichen und in allen Fällen einstimmig. Mit Johanetta Müller als 1. Vorsitzende und Heidi Worsley als Schatzmeisterin gehören zwei neue Gesichter dem Vorstand an. Das Amt der Schriftführerin übernimmt Barbara Hofmann. In ihren Posten bestätigt wurden Inge Braune (2. Vorsitzende), Helmut Fehler (Pressewart), Albert Herrmann (Beisitzer) und Gudrun Schammann (Beisitzerin) sowie die Kassenprüfer Klaus Frey und Maria Frick-Hemer.

  

Neuer Vorstand (2022 gewählt)

     Im weiteren Vereinsjahr ist noch manches offen: Anlässlich des 50jährigen Jubiläums des Dorfmuseums ist am 9. September ein Festakt vorgesehen, noch völlig ungewiss sind Ausflugs-, Fest- und Ausstellungsplanungen. Ziel ist auf jeden Fall, mehr jüngere Besucher  nicht nur ins Museum zu locken,  sondern sie auch für die Mitarbeit in Museum und Verein zu begeistern.

  Auch im Vorstand sollen künftig mehr jüngere Stimmen zu Wort kommen, was der Verein über  eine Satzungsänderung ermöglichen will. Die soll baldmöglichst im Rahmen einer weiteren Mitgliederversammlung die Anzahl der Beisitzer von derzeit zwei auf dann bis zu vier Personen erhöhen, was es jüngeren Engagierten erleichtern würde, in die Vorstandsarbeit hineinzuwachsen.

Verabschiedung mit Blumen und Dank

   Mit einem kleinen Blumengruß verabschiedet wurden Michaela Bauer („perfekte Direktverbindung ins Rathaus“), Barbara Deeg („nicht nur fürs saubere Finanzgebaren, sondern beim Waschtag-Museumsfest auch fürs alte Leinen im Einsatz“) und Birgit Bulenda, die sich bereits seit 1987, als sie Kurt Meider als Bürokraft für den Verein einstellte, zur „Seele des Vereins“ entwickelte, ehe sie vor sieben Jahren eher widerwillig ihrer Wahl zur Vorsitzende zustimmte. Ohne Zögern habe sie sich dann in die immense Arbeit gestürzt, die unter anderem die Auflösung des Museumsverbundes mit sich brachte, betonte ihre bisherige Stellvertreterin. Sehr froh sei der frisch gewählte Vorstand, dass sie zusagte, das neue Team noch ein Weilchen mit Rat und Tat zu unterstützen.

     Es scheint, als habe der Verein Tauberfänkische Volkskultur e.V.  gerade noch einmal die Kurve gekriegt, mit Johanetta Müller eine engagierte Vorsitzende und mit Rosi Spitzley eine gute Verbündete im Gemeinderat gewonnen. Auf dieser Basis könnte es gelingen, das Dorfmuseum vertraglich abzusichern und die nächste Bürgerschafts-Generation für Erhaltung und Pflege der historischen Wurzeln zu begeistern und somit dem Erbe Kurt Meiders und damit der Region Zukunft zu geben.

Bilder(©TFVK):

Verabschiedung: Mit Blumengrüßen, Dank und der Bitte um weitere Unterstützung verabschiedete der Verein Tauberfränkische Volkskultur e.V. die drei engagierten Vorstandsmitglieder Michaela Bauer (2.v.l.), Birgit Bulenda (Mitte) und Barbara Deeg (2.v.r.) aus ihren Ämtern. Die Aufnahme zeigt sie gemeinsam mit der neuen Vorsitzenden Johanetta Müller und der Bürgermeisterstellvertreterin Rosi Spitzley.

Vorstand: Ein gutes Händchen und viel Glück wünschte Bürgermeisterstellvertreterin Rosi Spitzley (rechts) dem neuen Vorstand des Vereins Tauberfränkische Volkskultur, der ehrenamtlich das Tauberländer Dorfmuseum betreibt. Die Aufnahme zeigt (v.l.n.r.) die neu gewählten und bestätigten Vorstandsmitglieder Klaus Frey (Kassenprüfer), Albert Herrmann (Beisitzer), Heidi Worsley (Schatzmeiterin), Inge Braune (2. Vorsitzende), Johanetta Müller (1. Vorsitzende), Maria Frick-Hemer (Kassenprüferin) und Helmut Fehler (Pressewart). Auf der Aufnahme fehlen Schriftführerin Barbara Hofmann und Beisitzerin Gudrun Schammann.