Tauberfränkische Volkskultur

Bürgermeister zeigt fürs Tauberländer Dorfmuseum Zuversicht

Kornberger: „Stadt steht in konstruktiven Gesprächen“

Weikersheim Knapp einhundert Mitglieder, darunter 25 Familien komplette, zählt derzeit der Verein Tauberfänkische Volkskultur. Die Zahlen sind leicht rückläufig, auch, weil fünf verdiente Vereinsmitglieder im vergangenen Jahr verstarben. Birgit Bulenda, Vorsitzende des Vereins, rief bei der Jahreshautversammlung zum stillen Gedenken an Irma Ehrmann, Else Schuler, Helmut Deeg, Helmut Herrmann und Harald Wilckens auf, die auf je ihre eigene Art den Verein mit prägten.

Rund zwanzig interessierte hatten sich zur Versammlung im Uhu-Treff eingefunden, darunter auch Bürgermeister Klaus Kornberger, der das vielfältige Engagement des Vereins zur Pflege regionalen Kulturguts lobte. Mit Sonderausstellungen und Sonderführungen sei der Verein auf einem guten Weg, betonte Kornberger. Gern erinnert er sich an die Sonderführung für den Maschinenring, die der Verein anlässlich der Eröffnung der von Hans Hachtel zusammengestellten Sonderausstellung „Von der Sichel zum Mähdrescher“ organisiert hatte. Von seinem Arbeitszimmer im Rathaus aus hatte der Bürgermeister den Blick auf die rund hundert Gäste und die Oldtimer-Bulldogs, die am Brunnen postiert waren, nur kurz genießen können, ehe er zur Begrüßung der Gäste vorm gegenüberliegenden Dorfmuseum aufbrach. Imponiert habe ihm auch die Offenheit für Kooperationen mit anderen Vereinen wie dem Sängerbund, der die Maschinenring-Senioren nach der Besichtigung mit Kaffe und Kuchen verwöhnte.

Was die Zukunft des Dorfmuseums anbelangt – die Stadt ist Mieter des in Privatbesitz befindlichen ehemaligen Kornbaus, in dem der Verein auf drei Etagen die größte Sammlung ländlichen Kulturguts in Tauberfranken präsentiert – äußerte sich der Bürgermeister zuversichtlich. „Die Stadt steht in sehr konstruktiven Gesprächen“, präzisierte Kornberger am Rand der Versammlung gegenüber unserer Zeitung.

Zuvor hatte die Vereinsvorsitzende Bulenda im Jahresrückblick auch über die erfolgreiche Sonderausstellung „Alles aus Holz“ berichtet. Dank der Vermittlung  des ehemaligen Vereinsgeschäftsführers Gerd Layer konnte die Sammlung der Mosbacherin Hilturd Rückert im  Museum perfekt eingepasst präsentiert werden. Insgesamt bescherten vornehmlich die Sonderausstellungen dem Museum ein deutliches Besucherplus um 250 Gäste, was trotz verkürzter Öffnungszeiten einer rund 25-prozentigen Steigerung entspricht.

Die größte Kraftanstrengung forderte das Maisingen dem Verein ab. Heuer findet es zum 40. Mal statt. Auch manche der eifrigen Schneeballen-Bäckerinnen sind bereits so lange  mit dabei, wenn es gilt, das Fest auf dem Marktplatz – am Muttertag, dem 14. Mai ist es wieder soweit – vorzubereiten.

Der von Vorstandsmitglied Helmut Fehler organisierte Jahresausflug nach Boxberg, Unter- und Oberschüpf, das Maisingen-Helferfest bei Vorstandsfrau Gertrud Schammann  und der Adventskaffee im Stadtmuseum rundeten das Angebot ab. Intern wurde ebenfalls viel bewegt: Die Neugestaltung der Homepage und des zweisprachigen Museumsflyer sowie die Umgestaltungen im Museumsfoyer und im Außenbereich hielten Vorstandsteam und Helfer auch jenseits von Vorstands- und Arbeitsgruppensitzungen in Atem. Dankbar angenommen wurde auch das Winterprogramm mit  Vorträgen und geselligem Volksliedersingen mit Gudrun Schammann. Die Vorträge beschäftigten sich mit Thomas Müntzers „Leben neben Luther (Helmut Fehler), Land, Leuten und Brauchtum im Allgäu (Uwe Ceglarek) und Trinkwasserprojekten in Afrika (Willi Rübling).

Auch der Kurt-Meider-Bibliothek widmete der Verein Aufmerksamkeit: Carlheinz Gräter und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Wolfgang Willig sahen die Bestände durch, Roland Kroneisen sind zahlreiche Veräußerungen von Doppelstücken zu verdanken. Die Arbeit werde auch gerade in diesem Bereich nicht ausgehen, kündigte Birgit Bulenda an: Für die erforderliche Aktualisierung des Katalogs sei dringend Hilfe erwünscht.

Weitgehend vollzogen ist auch die Schlussabwicklung der Auflösung des Museumsverbunds. Nur bezüglich des Frauentaler Museums „Vom Kloster zum Dorf“ sind noch Leihverträge umzuschreiben.

Vornehmlich der Verbundauflösung ist auch die aktuelle recht gute finanzielle Ausstattung des Vereins zu danken, wie Inge Braune stellvertretend für die Finanzreferentin Barbara Deeg berichtete.  Der Rückfluss eigener Verbund-Anteile und der Zufluss des kommunalen Verbundanteils bescherten dem Verein eine einmalige Einnahme in Höhe von 4.250 Euro, die allerdings bereits teilweise wieder in den 2016 erledigten Aufgaben aufgegangen sind. Insgesamt ist das Finanzpolster des Vereins um rund 2.700 Euro gestiegen, was unter anderem neuen Vitrinen für rare Exponate im Museum zugute kommen wird.

Die Kassenprüfer Klaus Frey und Maria Frick-Hemer stellten der Kassenführung ein gutes Zeugnis aus, so dass der von Klaus Kornberger beantragten und einstimmig erteilten Entlastung des Vorstands nichts im Wege stand.

Auch in diesem Jahr stehen wieder etliche Veranstaltungen auf dem Programm: bereits am 14. Mai findet das 40. Maisingen auf dem Marktplatz statt, am 29. Juni wird im Dorfmuseum die Sonderausstellung „Kinderwelt“ eröffnet. Etliche Leihgaben sind bereits eingetroffen, die recht spannende Einblicke ins Kinderleben vergangener Tage versprechen. Auch bei der „Messe Nadelkunst“ (29. September bis 1. Oktober) wird der Verein wie bereits vor zwei Jahren mitmachen. Den Jahresausflug (7. Oktober) organisiert auch in diesem Jahr wieder Helmut Fehler.

Nach dem offiziellen Teil der Jahreshauptversammlung gab es anhand alter Dias Gelegenheit zum zwar teilweise nostalgischen, aber keineswegs nur schwärmerischen Rückblick. Dass in den Anfangsjahren des Maisingens die beliebten Schneeballen noch unter freiem Himmel gebacken wurden durften, war zumindest jüngeren Mitgliedern nicht bekannt. Schon wurden wieder Vorschläge für die künftige Gestaltung des Maisingens und zur Werbung fürs Dorfmuseum entwickelt – ganz nach der Parole, die der ehemalige Schlossverwalter und Gemeinderat Helmut Schwarz ausgegeben hatte: „Spinnerte Ideen kann man gar nicht genug haben!“ Der Verein, so Birgit Bulenda, freut sich über jeden Beitrag.

Info: Das Dorfmuseum ist immer Samstags, Sonntags und an Feiertagen geöffnet von 13.30 bis 17 Uhr. Das Vereinsbüro in der Hauptstraße 42 ist von Montag bis Mittwoch, teilweise auch an Donnerstagen vormittags geöffnet und sowohl telefonisch (07934-1209) als auch via E-Mail (tauberfraenkische-volkskultur@t-online.de) erreichbar.

 

Bilder(©IngeBraune):

6525                                                          Knapp ein Viertel der annähernd 100 Mitglieder des Vereins Tauberfränkische Volkskultur fand sich zur Jahreshauptversammlung im UHU-Treff ein.

6529                                                          Weikersheims Bürgermeister Klaus Kornberger lobte das Engagement des Vereins und äußerte sich bezüglich der Zukunft des Tauberländer Dorfmuseum zuversichtlich