Tauberfränkische Volkskultur e.V.

Statt Maisingen 2018 erstmals neues Dorfmuseums-Fest

Viel Arbeit fürs erweitertes Vorstandsteam um
Birgit Bulenda

Weikersheim Tauberfränkische Volkskultur e.V.? Mit dem Vereinsnamen kann nicht jeder etwas anfangen. Und „Tauberländer Dorfmuseum“? Das ist in Weikersheim und drumherum bekannt, zumindest von außen. Im aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kornbau birgt das Museum seit gut viereinhalb Jahrzehnten die größte Sammlung ländlichen Kulturguts in Tauberfranken. 

     Was Kurt Meider und seine Mitstreiter zusammengetragen haben, hütet der nur knapp 100 Mitglieder zählende  Verein „Tauberfränkische Volkskultur“. Auf die Ehrenamtler kommt Etliches zu: Christian Bulenda und Helmut Fehler berichteten den knapp 25 Teilnehmern der Jahreshauptversammlung über diverse dringend anstehende Arbeiten. Im Lauf der viereinhalb Jahrzehnte haben etliche Präsentationswände im Museum Schaden genommen; gleiches gilt für die teilweise darin verborgene Elektrik. Zwingend erneuert werden muss die noch aus den Anfangsjahren stammende und entsprechend Strom verbrauchende Museumsbeleuchtung, wobei es auch um die Sicherheit gehe, wie Bulenda und Fehler erläuterten. 
Außerdem muss und will der Verein Depot- und Aufräumarbeiten im Spitzboden des Kornbaus angehen und auch das Haagener Scheunendepot gründlich durchmustern und gegebenenfalls reduzieren. Zur Vorsicht dabei mahnte der ehemalige Vorstandsvorsitzende Günter Breitenbacher: Noch immer seien in Haagen Bestände des ehemaligen Forstmuseums eingelagert, die zumindest teilweise einen Platz im Dorfmuseum haben sollten. 
    Voll im Gange sind bereits die Vorbereitungen für die Sonderausstellung  „Alles Handarbeit!“, die am Donnerstag, dem 17. Mai eröffnet wird und  regionale Handarbeitszeugnisse aus der Zeit von 1860 bis 1960 präsentieren wird. Ebenfalls in die heiße Phase gehen aktuell die Vorbereitungen für das erste „Museumsfest“ im und um den Kornbau. Mit einem Gottesdienst auf dem Marktplatz will der Verein am Sonntag, dem 17. Juni, in das Fest einsteigen. Das Fest löst das „Maisingen“ ab, das der Verein vier Jahrzehnte lang am Muttertag zur  Finanzierung des Museumsbetriebs ausgerichtet hatte. Zunehmende Fest-Konkurrenz sowie organisatorische und personelle Hürden hatten eine zeitgemäße Neukonzeption  fast schon erzwungen. Im und um das dank  Unterstützung der Musikschule Hohenlohe „Klingende Dorfmuseum“ herum werden sich  Handwerker, Land- und Handarbeiter und -arbeiterinnen  tummeln und Groß und Klein zu Spaziergängen durch die Zeiten locken. 
Anknüpfen kann der Verein dabei an in den vergangenen Jahren aufgebaute beziehungsweise intensivierte Kooperationen. Im Rahmen ihres Jahresrückblicks berichtete die Vorsitzende Birgit Bulenda unter anderem über die Kooperation mit der Jugendmusikschule Hohenlohe, die Mitte Juli 2016 unter dem Motto „Hausmusik im Dorfmuseum“  ihren Vorspieltag im Kornbau durchführte. Die Sonderausstellung „Kinderwelt“ sprach offensichtlich zumindest die Weikersheimer Schulen an: Für fast 200 Schülerinnen und Schüler stand ein Besuch in der Kinderwelt-Ausstellung  auf dem Stundenplan.  Mit einem thematisch passend gedeckten Büchertisch ergänzte die Stadtbücherei das Kooperationsnetzwerk. Die Vernetzung funktioniert vielfältig: Mit kleinem Sonderprogramm hängte sich das Dorfmuseum an die vom Schloss organisierte Messe „Nadelkunst“ an, umgekehrt bereicherten Helmut Fehler und seine Frau das Programm der Kinderferienfahrten. Bei Pressereisen der Tourismusverbände „Liebliches Taubertal“ und „Romantische Straße“  konnte  das Dorfmuseum mit kulinarisch Typischem wie Grünkern und Schwäbisch-Hällischem Landschwein-Leberkäs punkten. 

Recht gut besucht war die Winter-Vortragsreihe. Dank eifriger Schneeballen-Bäckerei und großem Engagement des Flohmarktteams finanziell recht erfolgreich gestaltete sich trotz des einsetzenden Gewitters das 40. und zugleich letzte Maisingen, wie auch Inge Braune bestätigte, die stellvertretend für Finanzreferentin Barbara Deeg den Kassenbericht vorstellte. Der 2017 erwirtschaftete Jahresgewinn dürfte, so die Prognose des Teams, in der laufenden Saison auch aufgrund der anstehenden erforderlichen Sicherungs- und Modernisierungsaufgaben bis zur nächsten Hauptversammlung wohl kräftig zusammenschmelzen. Das Team dankte der Stadt, der Bürgerstiftung und den privaten Spendern für die Förderung und Unterstützung, die auch eine Wertschätzung der ehrenamtlich geleisteten Arbeit darstellt. Allein fürs Dorfmuseum, also ohne  die Einsätze im Umfeld von Festen und sonstigen Veranstaltungen, haben in den vergangenen 12 Monaten freiwillige Helfer weit über 200 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet, wie Birgit Bulenda mitteilte. 

    Bürgermeister Klaus Kornberger lobte die Vielfalt der Tätigkeiten: Gerade eine Stadt ohne geschriebene Stadtgeschichte sei auf die Mitwirkung von Menschen angewiesen, die Hinterlassenes lebendig und in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Gruppen pflegen, so Kornberger. Bezüglich der künftigen Nutzung des Kornbaus fürs Tauberländer Dorfmuseum gelte nach zahlreichen kooperativen Gesprächen mit dem Eigentümer einstweilen die Basis „Jetzt machen wir erst mal so weiter!“ Die Stadt und er persönlich ermutige  jedenfalls den Verein: „Wir bleiben beieinander, wir arbeiten miteinander weiter fürs Tauberländer Dorfmuseum!“ Die Stadt fördere auch über die Bürgerstiftung gern: man sehe die Wirkung. 
Nachdem Klaus Frey, der gemeinsam mit Maria Frick-Hemer die Kassenprüfung vorgenommen hatte, saubere Kassenführung bestätigt hatte, beantragte Kornberger formell die dann auch einstimmig erteilte Entlastung des Vorstandes und leitete die turnusgemäß anstehende Vorstands-Neuwahl. Einstimmig wurde die Vorsitzende Birgit Bulenda bestätigt, ebenfalls einstimmig erfolgte die Wahl von Inge Braune. Sie hatte sich bereit erklärt, zunächst für ein  Jahr als Stellvertreterin zu fungieren, da Wolfgang Willig nach nunmehr fünf Vorstandsjahren nicht mehr zur Verfügung stand. Ihn ebenso wie den ehemaligen Beisitzer Rainer Preiss begleiten die guten Wünsche des Vereins für sein Amt als Vorsitzender des neuen Museumsvereins Kloster Frauental. Einstimmig bestätigt wurden auch Barbara Deeg als Kassiererin und Helmut Fehler als Pressewart, Michaela Bauer löst auf einstimmige Wahl die bisherige Schriftführerin Karin Philipp ab, die – ebenfalls mit einstimmigem Votum – in den Beirat wechselt. Neben ihr und der bisherigen Beisitzerin Gudrun Schamman steigen mit 100 Prozent der Stimmen Barbara Hofmann und Albert Herrmann als neue Beisitzer in die Vorstandsarbeit ein.
Nach Abschluss der eigentlichen Jahreshauptversammlung berichtete Ralf Schälling den höchst interessierten Gästen über das Projekt „Kulturwanderweg Fränkischer Süden“. Einzig im Bereich Weikersheim-Schäftersheim  überspringt das Projekt der 14 bayerisch-fränkischen Gemeinden die Landesgrenze nach Baden-Württemberg – für Schäftersheim und Weikersheim eine gute Gelegenheit zur Präsentation der kulturellen Reichtümer. 
 
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Bild(©Robert Ums):
Bürgermeister Klaus Kornberger (hintere Reihe Mitte) ermutigt das neue Vorstandsteam: Die Stadt werde den Verein und damit das Tauberländer Dorfmuseum auch weiter hin unterstützen. Die Aufnahme zeigt (v.l.n.r.) Schriftführerin Michaela Bauer, die Beisitzerinnen Gudrun Schammann und  Barbara Hofmann, Bürgermeister Klaus Kornberger, die Vorsitzende Birgit Bulenda, Stellvertreterin Inge Braune, Pressewart Helmut Fehler und Beisitzer Albert Herrmann. Nicht auf dem Bild verteren sind Kassiererin Barbara Deeg und Beisitzerin Karin Philipp.