Vereins-Exkursion in ein Stück deutsche Geschichte

Hohenlohe – Stätten des Gedenkens

Die Exkursion des Vereins Tauber-Fränkische Volkskultur

Dunkle Tage der deutschen Geschichte waren es, als im Frühjahr 1945 der Krieg nach Brettheim kam. Eine Marginalie im großen Geschehen, die jedoch – als die Nazi-Herrschaft bereits in Agonie versank – drei Bürgern das Leben kostete. Sich an sie zu erinnern und die Umstände ihres Endes zu erfahren, war das Motiv für die Exkursion. Unter der Leitung von Helmut Fehler, welcher auch durch die Gedenkstätte führte, wurde das Geschehen noch einmal lebendig. H. Fehler verstand es, durch Geschichten in der Geschichte das Verhältnis der Gesellschaft zu den Opfern und Tätern in Szene zu setzen und den politischen, gesellschaftlichen und juristischen Hintergrund im „Kalten Krieg“ sichtbar zu machen. Fehler ging dabei auch auf die Bestrebungen ein, für die 1955 aufgestellte Bundeswehr eine separate Wehrstrafgerichtsbarkeit zu schaffen, deren gedankliche Vorarbeit bereits von 1936 bis 1945 durch den Juristen Dr. Erich Schwinge geleistet wurde. Dessen Gesetzes-Kommentare führten als Rechtsgrundlage in Verbindung mit den Begriffen „Verstoß gegen die Manneszucht“ und „Wehrkraftzersetzung“ zu über 23.000 Todesurteilen an Soldaten der Wehrmacht. Schwinge war Ende der fünfziger Jahre als nicht-bestellter Gutachter bei den Nachkriegsprozessen gegen den SS-General Simon beim Landgericht Ansbach aufgetreten. Erst durch das Bekanntwerden seiner unheilvollen Tätigkeit im Dritten Reich – Schwinge war inzwischen wieder Professor an der Universität in Marburg – verliefen die politischen Aktivitäten in den achtziger Jahren im Sande. Die Rolle des damaligen baden-württembergischen Innenministers H. G. Filbinger war ebenso bemerkenswert, weil dieser 1960 die Tat von Brettheim als himmelschreiendes Unrecht bezeichnete. Um dann, 1984 – nach Bekanntwerden seiner Rolle als Marinerichter – diese Taten damit entschuldigte, dass „das was damals Recht war, heute kein Unrecht sein kann“. Ein Zeitzeuge bei Kriegsende, Herr Braun aus Brettheim, konnte durch viele Details das Geschehen so ergänzen, dass ein berührender und bleibender Eindruck entstanden ist.

Dem Muschel-Kalk-Museum in Ingelfingen galt der nächste Halt, wo die 238 Mio. alten erdgeschichtlichen Besonderheiten von Hohenlohe – inklusive der damaligen Flora und Fauna für jedermann zugänglich gemacht sind. Zum Schluss folgte ein Stadtrundgang in Forchtenberg, wo man sich auf die Spuren der Geschwister Scholl begab, die dort einen Teil ihrer Kindheit verbrachten bevor sie als Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weisse Rose“ 1943 unter dem Fallbeil endeten. Diese Studenten sahen frühzeitig das verbrecherische am NS-System und das damit eingehende Unheil für die Menschen. „Hier schließt sich wieder der Kreis“ so F., weil Brettheim zwei Jahre später einer der vielen unglücklichen Orte war, die zerstört wurden und siebzehn Menschen kurz vor Kriegsende noch das Leben verloren.

Ein gemeinsames Abendessen und anregende Diskussionen beschlossen die Exkursion 2017.

TVK/fe