50jähriges Vereinsjubiläum

Verein feierte das 50jährige Jubiläum wie ein Familienfest

Weikersheim Es war ein regelrechtes Familienfest, das der Verein „Tauberfränkische Volkskultur“ am vergangenen Freitag in der Schäftersheimer Klosterscheuer feierte: Der Verein feierte seinen 50. Geburtstag.

    Bereits am 22. Januar 1965 hatten über 60 Menschen im Nebenzimmer der Weikersheimer Stadthalle den „Verein der Freunde des Tauberländer Dorfmuseums“aus der Taufe gehoben, wie Birgit Bulenda, die seit einem halben Jahr die 1986 in „Tauberfränkische Vollkskultur“ umbenannte Vereinigung als 1. Vorsitzende leitet, in ihrer Begrüßung erläuterte.

    Geprägt hatte zunächst Initiator Kurt Meider den Verein. Ohne diesen „unermüdlichem Sammler und Gestalter mit untrüglichem Gespür für den Niedergang der bäuerlichen Kultur“ gäbe es das Dorfmuseum wohl kaum. Zunächst als Geschäftsführer, dann als Vereinsvorsitzender drückte er seit der Gründung des Vereins bis zu seinem Tod 1992 der Sammlung und Darstellung der regionalen Volkskultur seinen ganz persönlichen Stempel auf. Gemeinsam mit dem Vorstandsteam – Oberforstrat Hermann Wechsler, Hans-Friedrich Schammann, Prinz Constantin, Karl Seemann, Manfred Schuler und dem Bächlinger Pfarrer Rudolf Schlauch – hatten sich Meider und die insgesamt 52 Gründungsmitglieder der „Freunde des Dorfmuseums“ lange vor Beginn der Nostalgiewelle der Erhaltung authentischer Stücke des ländlichen Lebens verschrieben.

    Die Idee zündete: Bald fand mit den Landfrauen ein kompletter Verein den Weg zum Freundeskries – eine Gruppierung, aus der sich bis heute die engagierte Truppe der Maisingen-Helferschaft speist. Es ist dieses seit 1978 fest im kommunalen Veranstaltungskalender verankerte Vereins-Hauptfest, bei dem zahllose Helferinnen und Helfer einen Großteil der finanziellen Grundlage der Vereinsarbeit schaffen. Aus den Mitgliedsbeiträgen – bei der Gründung hatte man sich auf einen eher symbolischen Jahresbeitrag von fünf D-Mark geeinigt, heute liegt der jährliche Obulus bei 20 Euro – ließe sich weder der Museumsbetrieb noch das vielfältige Programm mit Vorträgen, Sonderausstellungen und allfälligen Aktualisierungen nicht decken, wie nicht nur Maisingen-Koordinatorin Gudrun Schammann weiß.

    Die Dorfmuseumsidee begeisterte nicht nur Weikersheimer: Dass Albert Walzer, Hauptkonservator am Württembergischen Landesmuseum Stuttgart die Leitung der Museumseinrichtung übernahm, ist dafür ebenso Beleg wie die Besucherzahlen. Die stiegen seit der 1972 erfolgten Eröffnung des ersten Teils des Museums innerhalb der ersten paar Museumsjahre bereits auf 14.000 Gäste.

    Es war auch die schon von Walzer betonte Einzigartigkeit des Museums, die dem Verein 1977 die Auszeichnung mit der Bronzemedaille für „Vorbildliche kommunale Bürgeraktion“ bescherte – und sicher trug auch das erste Maisingen zu einem Bekanntheitsgrad des Museums bei, das 1978 mit 20.000 Besuchern einen echten Rekordbesuch verzeichnete. Gar 50.000 Besucher folgten in Weikersheim, Wertheim und Würzburg der Einladung zur 1977 vorgestellten Staufer-Ausstellung.

    Heute kann man von derartigen Zahlen allenfalls noch träumen: Zahllose Heimatmuseen und eine unglaubliche Vielfalt an Freizeitangeboten buhlen um die Gunst des Publikums. Auch der Verein selbst trug dazu bei: 1982 eröffnete der Verein die Flachsbrechhütte in Burgstall, ein Jahr Später das Forstmuseum auf dem Karlsberg, 1990 in Frauental das Museum „Vom Kloster zum Dorf“. Die Zuständigkeits-Expansion erforderte die 1986 erfolgte Umbenennung des Vereins in „Tauberfränkische Volkskultur“, 1992 gründete man zur Sicherung der wissenschaftlichen Betreuung den jetzt in Auflösung befindlichen Museumsverbund oberes Taubertal.

    Künftig will sich der Verein wieder aufs Dorfmuseum konzentrieren. Ein neuer Flyer ist in Arbeit, an der Umgestaltung des Eingangsbereichs und wird gefeilt, die landwirtschaftliche Abteilung soll aktualisiert werden. Etwas unruhig ist man angesichts des Mietvertrags für den Kornbau, der Ende 2017 – im vierzigsten Jahr des Maisingens – ausläuft. Geburtstagswunsch des Jubiläumsvereins? „Neue jüngere Mitglieder!“ Und natürlich eine weitere Unterstützung der Arbeit durch Besuche im Dorfmuseum – und gern auch durch Spenden. Schließlich steht viel auch mit Kosten verbundene Arbeit ins Haus.

    Mitgefeiert haben neben den Gründungsmitgliedern Gerhard Finger sowie Carlheinz und Mette Gräter auch Weikersheims Bürgermeister Klaus Kornberger und langjährige Mitglieder des Vorstands wie Helmut Schwarz, der dem Verein seit 46 Jahren die Treue hält, Harald Wilckens, der unter anderem anderthalb Jahrzehnte dem Vorstand angehörte, und Gerhard Layer, der als Vorstandsmitglied, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Berater maßgeblich bei der Einrichtung des Frauentaler Museums „Vom Kloster zum Dorf“ mitwirkte. Andere verdiente langjährige Mitglieder wie Günter Breitenbacher oder Hans Liesert mussten leider ihre Teilnahme absagen: Schade, denn sie haben ein heiteres Vereinsfamilien-Fest verpasst.

    Die Leichtigkeit des Festabends, den der gebürtige Weikersheimer Autor Karl Mündlein mit heiter-nachdenklichen Mundarttexten und Erinnerungen und die „Scheiredrescher“ bis in den späten Abend mit Gesang bereicherten, ist vorrangig der Planung der 1. Vorsitzenden Birgit Bulenda zu verdanken: Wunderbar sei es, dass sie nach inzwischen fast 30-jähriger Tätigkeit für den Verein inzwischen „unkündbar“ sei, betonte Weikersheims Bürgermeister Klaus Kornberger. „Tauberfränkische Volkskultur e.V.“ sei ein echter Kulturträger in der Stadt, der mit Dorfmuseum, Maisingen und der eigenen Bibliothek engagiert Brauchtum, Heimat und Geschichte fast wissenschaftlich ebenso wie durch gesellschaftliche Beiträge gut auch für kommende Generationen abbilde. Die Gratulation der Stadt zum Jubiläum ergänzte der Bürgermeister mit einer 250-Euro-Jubiläumsspende.

    Karl Mündlein rief in seinen Geschichten, Gedichten und Aphorismen manche Erinnerung wach: „Ebbiere“, „Mouschdbiere“, „Sonndichssuppe“, die elterlichen Warnungen vorm „Nachtkrabb“ und Prinz Constantin, der Mesner, der wie ein Indianer die Christbaumkerzen in der Stadtkirche mit dem „Blasrohr“ löschte, die „Dampflogg“ – muss man da noch fragen, was „Hoomed“ ist? Unverzuckert wie Mouschd, trocken wie ein harter Brotkanten und mit augenzwinkerndem Scharfblick brachte Mündlein „Hoomed“ so punktgenau zum Ausdruck, dass die gut 60 Festgäste sich einig waren: Besser hätte es nicht passen können! Und Gleiches gilt für die Scheiredrescher, die nach mehreren begeisternden Auftrittsrunden noch bis in den späten Abend gemeinsam mit den letzten Gästen sangen – ganz so wie früher beim Wirtshaussingen, und ganz so, wie hoffentlich noch lang‘!

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37603585 Bürgermeister Klaus Kornberger überbrachte herzliche Geburtstagsglückwünsche für den Verein. „Sie machen als Kulturträger die regionale Geschichte auch für kommende Generationen erlebbar,“ lobte Kornberger. Die Aufnahme zeigt ihn mit der 1. Vorsitzenden Birgit Bulenda.

 

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Mundartpflege der anderen Art: Karl Mündlein weckt mit seinen Texten punktgenau Erinnerung – ganz ohne süßen Zuckerguss.

37603615 Heiter wie bei einem Familienfest gestaltete sich die Atmosphäre in der Klosterscheuer, wo der Verein „Tauberfränkische Volkskultur“ mit treuen Mitgliedern, Helfern, Freunden und Gönnern sein 50-jähriges Jubiläum feierte.

Bilder und Text von I. Braune

FN vom 16.11.2015:  mit freundlicher Genehmigung der Fränkischen Nachrichten und der Autorin